Chayenne
Federfrei
Profile
INTRO
>> "Aber es ist mitten in der Nacht!"
Die Stimme der gerade mal 36-jährigen Y'rragin klang noch rau vom Schlaf nach. Nicht einmal die empört-hohe Tonlage konnte vertuschen, dass Chayenne dem Schlaf näher war, als dem Wachen. "Wieso willst du sie denn JETZT aufhängen?! Der Umzug ist erst morgen und die anderen Kinder schmücken die große Brücke auch morgen um 12! Ich will nicht alleine bleiben...", beschwerte sie sich mit allem zerknautschen, kindlichen Zorn, den sie hinter ihrer Müdigkeit zusammen kratzen konnte. An das schwermütige Seufzen ihres Vaters, hätte sie sich die letzten Wochen eigentlich gewöhnen müssen. Hatte sie aber nicht. Stattdessen hallte es nur ein weiteres Mal in ihren Ohren wider, als sei es das Echo eines schlechten Traums. Vorwurfsvoll blickte sie ihrem Vater entgegen, der behutsam über ihren Schopf strich.
"Liebling, es geht nicht anders", erwiderte er ruhig und genau diese Ruhe war es, die Chayenne endgültig aus den Fängen der Müdigkeit befreite. Seit einem Monat schon war er wie ausgewechselt. Es ging schleichend und doch fühlte es sich rasend schnell an. Erst hatte er die Speziergänge mit ihr bleiben lassen, dann hatte er angefangen sich in Lagen aus Stoff einzuhüllen, als sei es Winter. Er hatte sich in seine Arbeit eingegraben, doch wo er ihr sonst gezeigt hatte, wie man Glas am besten bog, wie man Scheiben einsetzte, wo er scherzte und sie bei sich wissen wollte, da schickte er sie nun weg. Es sei zu gefährlich. Sie konnte sich bloß nicht erklären was an seiner Arbeit gefährlicher geworden war, als noch vor wenigen Wochen? Er sah ständig müde und abgespannt aus - und immer war da dieses Seufzen. Dieses herzzerreißende, markerschütternde Seufzen Tag und Nacht, als sei das Leben, das er sonst doch gefeiert hatte, plötzlich zu Ende. Ohne, dass etwas passiert war.
"Wieso?", weigerte sie sich vehement dagegen, sich ein weiteres Mal abspeisen zu lassen. "Das verstehst du noch nicht", erwiderte er. Es war faszinierend, wie er selbst beim Sprechen zu seufzen wusste und dieser Umstand machte Chayenne weit wütender, als der Fakt, dass er ein weiteres Mal versuchte sie auszusperren, wo sonst ein Platz für sie gewesen war. Sie machte sich Sorgen, mehr und mehr Sorgen aber darüber hinaus, war sie so unfassbar wütend auf ihn. Warum redete er plötzlich nicht mehr mit ihr?!
"Das ist doch Blödsinn!", platzte es zornig aus ihr heraus. "Du willst mich nicht mehr! Du hast nur Angst es zu sagen! Du nimmst mich nicht mehr in den Arm und du redest nicht mehr mit mir und du willst mit mir auch nicht mehr draußen gesehen werden! Du willst mich nicht und bist ein Feigling, weil du mir nicht sagst, was ich getan habe!" "Chayenne...", versuchte ihr Vater einzuharken, aber seinem Mädchen waren bereits die Tränen in die Augen geschossen und hysterische Schluchzer schüttelten ihre schmalen Schultern. "Nein! Häng die blöde Laterne doch selbst auf!", schoss sie zurück, als er auch die Hand auf ihrem Kopf behutsam fort zog. Die Augen gleichermaßen trotzig wie verzweifelt zusammen gekniffen merkte sie nicht, wie ihr Vater dazu ansetzte sich vom Rand ihres Nests aus Kissen und Decken zu erheben. Erst als er einen Moment scheinbar verloren im Zimmer stehen blieb erhaschte sie einen Blick auf ihn und für einen Moment kam ihr der Gedanke, dass sie sich morgen früh entschuldigen müsste. Aber nicht jetzt, da er sich dazu entschlossen hatte sich nicht zu erklären, sie nicht zu umarmen, sie nicht zu trösten sondern sein Heil in noch mehr Distanz zu suchen. Nicht jetzt, da ihre eigene Verletztheit noch zu groß war und ihre Müdigkeit ihren selbstgerechten Zorn nur anfeuerte.
Morgen würde sie sich bei ihm entschuldigen.
Und der Morgen kam, wie jeder andere.
Die Lampe, um die sie gestritten hatten, stand unangetastet neben ihrem Bett. Ihr Zuhause lag in absoluter Stille. Sein Mantel hing über einem der verzierten Geländer, also musste er da sein, war nicht ausgegangen. Aber nirgendwo in diesem stillen, seufzerischen Zuhause war ihr Vater zu finden. Von diesem Tag an nie wieder.
-------------
"Ist alles okay mit dir?"
Chayenne zuckte so hart zusammen, dass sie sich sicher war, man könne es auf einige Kilometer Entfernung sehen. Die Trommeln, die von den Berghängen widerhallten, klangen so unvermittelt, so eindringlich in ihr wieder, dass sie sich ernsthaft fragte, wie sie sie hatte ausblenden können. Wo vorher die Stille ihres Heims gewesen war, erklang wie durch Zauberhand ohrenbetäubende Musik, laut genug, dass sie selbst in ihrer Körpermitte vibrierte. Sie hatte sich darin verlieren wollen, um eben NICHT zurück zu sehen. Fragend und ein wenig entrückt suchte sie den Blick ihrer Begleitung, ehe sie sich fing und sich ein Lächeln aufs Gesicht meißelte. "Und bei dir?", stellte sie die Gegenfrage.
"Ich meine ja nur, heute vor 25 Jahren...", setzte ihre Ziehschwester gerade an, als Chayenne bereits die Schultern zuckte und abwinkte. Diese Unterhaltung führte sie nicht. Nicht heute. Nie mehr.
"Mir geht es super", bekräftigte sie also nur lachenden Untertons, streckte die Arme aus, um die Andere mit zum Tanz aufzufordern. Ihr ging es schließlich gut. Alles Schnee von gestern. Ihr ging es blendend. Und wenn sie sich nur lange genug drehte, die Augen schloss und sich zwischen den Noten auflöste, dann würde sie auch nicht weiter nachdenken.
Nicht heute. Niemals mehr. <<
Charakter
Likes
- Tanz und Feiern
- das Glaserhandwerk
- ihren Begleiter
- Kirschkuchen und Omelette
Dislikes
- den Winter/Kälte
- Stille
- Klatschweiber
- Berechenbarkeit
Persönlichkeit
Chayenne präsentiert sich als ein fröhlicher, fleißiger Wirbelwind, der selten zur Ruhe kommt. Sie zeigt sich lebensfroh, leichtmütig, feierwütig und hat einen Hang zu den unmöglichsten Ideen, die sie mit Feuereifer trotzdem umzusetzen sucht. Ihr Selbstbewusstsein, ihre Spontanität und ihre Schlagfertigkeit helfen ihr dabei oftmals aus so mancher brenzligen Lage - und vielleicht ist das auch der Grund dafür, weshalb sie wenig Gespür für gefährliche Situationen zeigt. Das, oder es kümmert sie einfach nicht. Sie ist die Art Person, die viele Personen um sich herum versammelt und im Zentrum jeden Events zu finden ist; die, deren Namen man kennt und die man gerne dabei hat, weil sie "Leben in die Bude" bringt, aber sie ist nicht diejenige, mit der man über ernste Angelegenheiten redet. Da zieht sie von sich aus allerdings auch die Grenze. Sie hat sehr viele Bekanntschaften und Freunde und ist trotzdem einsam, ohne das je auszuformulieren oder diese These aus anderer Leute Münder zu akzeptieren. Viel eher dreht sie Zweiflern ihre Worte im Mund herum und lacht sie im Anschluss noch für den Gedanken aus.
Lächeln
Die quirlige Glaserstochter hat die notorische Angewohnheit zu lächeln - und das nicht zwingend, weil sie stets glücklich ist, sondern weil sie sich der Macht eines Lächelns sehr bewusst ist. Meist lebt sie tatsächlich einfach nur gerne im Moment und vergisst negative Gefühle, doch es kommt oft genug vor, dass sie ihr Lächeln wie eine Rüstung trägt, das unliebsame Sorgen Anderer und Zweifel an ihrer Verfassung ablenken soll, noch ehe sie entstehen. Sie ist im Laufe der Zeit sehr gut darin geworden zu verstecken, wenn sie etwas emotional mitnimmt oder zu anstrengend ist - auch vor sich selbst. Oder verbal abzulenken, wenn jemand Fragen hat. Und so sieht man sie nie ohne ihr hübschestes, angewachsenes Accessoire die Straßen Erilons unsicher machen.
Lampen
Ihr Beruf und ihre Berufung ist das Fertigen vom Lampen. Sie besitzt einen eigenen kleinen Laden am Rande des Marktviertels Erilons und ist berühmt-berüchtigt für ihren Enthusiasmus, mit dem sie Kunden das Unmögliche aufschwatzt. Übernommen hat sie diesen, sowie die in ihrem Haus integrierte Werkstatt, von ihrem Vater, der seines Zeichens Stadtteilbekannter Glaser für Buntglas war. Früh hat sie das Material lieben gelernt und bereits von Fohlenbeinen an, neben der Schule, behutsam den Umgang damit, sowie den Respekt vor Feuer beigebracht bekommen. Dass ihre Liebe für Lampen und Laternen allerdings nicht ausschließlich eine Anerzogene ist, sondern vielmehr von der geheimen Überzeugung, dem stillen Wunsch her rührt, dass jedem Ragaskón heimgeleuchtet werden sollte, das wissen die wenigsten.
Feste, Tanz und Musik
Patriotin im Herzen und sehr wenig heimlich vernarrt in die Traditionen ihrer Fraktion hat Chayenne eine ausgeprägte Leidenschaft für Feste und Musik entwickelt. Zwar ist ihr selbst nicht die Gabe vermacht worden einen Ton zu halten, dafür allerdings ein fantastisches Rhythmusgefühl. Gepaart mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und dem Willen, sich voll und ganz in jeden positiven Moment zu stürzen, sich gar darin zu verlieren, macht sie das zu einer leidenschaftlichen und ausdrucksstarken Tänzerin. Tatsächlich ist 'Tanz' auch der wohl einzige Bereich in ihrem Leben, in dem die sonst recht dominante Stute sich ohne Einwände 'führen' lässt, nicht gewillt sich selbst um die volle Erfahrung zu betrügen. Trotzdem lässt sie es sich nicht nehmen Bewegungen auszuschmücken oder zu akzentuieren, wenn man ihr den kleinsten Raum dafür lässt und durchaus zu provozieren, wenn der Tanz es hergibt.
Entschuldigungen und Dank
...sind Dinge, die man aus ihrem Munde nur äußerst selten, wenn nicht sogar garnicht hören wird. Dabei ist es nicht einmal so, dass sie nicht dankbar für manches wäre - sie findet die Floskeln bloß überholt und inflationär gebraucht. Eher 'bedankt' sie sich mit Phrasen wie 'Du bist ein Schatz' oder erkennt nette Gesten mit einem aufrichtigen 'Das ist lieb' an. Anstelle einer Entschuldigung muss man eher mit einem tiefst gefühlten 'Hups' vorlieb nehmen. Der Fakt, dass sie glaubt, dass 'Es tut mir Leid' und 'Ich danke dir' ihre Tiefe verlieren, wenn man sie im Alltagsgebrauch um sich schmeißt und dass sie es nicht erträgt, wenn eine Entschuldigung, die sie doch im Herzen trägt und die sie ausmacht, die sie bewahrt, plötzlich ihren Wert in einem Meer ähnlich klingender Worte verliert; dieses Geheimnis hütet sie sorgsam. Man kann allerdings davon ausgehen, dass Chayenne sich ausschließlich bedankt, um Dinge bittet oder sich entschuldigt, wenn sie es tatsächlich so meint und vor allem tief fühlt.
Geschichte
Fohlentage
Chayenne wuchs unbeschwert unter der liebevollen Fürsorge ihres Vaters zwischen dem Geruch vom Ruß der Werkstatt Vailamirs, Spielen und Räubereien eines kleinen, eingeschworenen Schulfreundesfreies und so manchem munteren Familienbesuch der dhaarmischen Verwandtschaft auf. Ihr Elternhaus ein kleiner, von Vailamir höchstselbst kunstvoll und weit buntverglaster Palast für Fohlenaugen und eine ewige Erinnerung für den Glasermeister an den Traum, den er uns seine Frau sich ausgemalt hatten. Oft erzählte er von ihrem Plan, die gemütliche, bis auf den abgetrennten Werkstattbereich komplett offen gestaltete Wohnung in ihr Familiennest zu verwandeln und nach und nach anzupassen, von ihrem Wunsch danach dieses Haus mit Lachen zu füllen - und davon, dass Imrie, von wo auch immer sie ihrem Mädchen wohl nun zusehen mochte, sicherlich froh sei. Chayenne tat sich stets schwer mit dem Schwermut, der ihren Vater bei diesen Themen befiel, vermisste sie die Frau, die ihr Leben gegeben hatte, um ihr das ihre zu schenken, doch nicht - sie kannte sie nicht. Neugierig war sie dennoch und frustriert darüber, dass sie die Lichtgestalt, die ihr beschrieben wurde, nicht greifen konnte - auch wenn sie es so manches Mal versuchte. Tanzen lernte sie allerdings mit Feuereifer, wusste ihr Vater doch Geschichten zu erzählen, dass Imrie getanzt hatte wie der Frühlingswind um die Klippen und auch den Orangentee, der Vailamir so an seine Frau erinnerte, probierte sie ein paar Mal. Um ihn dann doch wegzukippen. Von diesem latenten Neugier abgesehen fehlte es dem sonnigen Mädchen allerdings an nichts, machte Vailamir die Abwesenheit seiner Frau doch mit aller Hingabe, aller Liebe, allem Elan beim Eintopfkochen und jedem schlechten, unbeholfenen, so warmen Witz wieder wett. Chayenne vermisste nichts und die Worte der Nachbarn um eine 'Schande' oder gar eine 'Tragödie' konnte sie nicht greifen.
Er kommt zurück
Es war der Sommer ihres 36ten Lebensjahres, die Zeit der alljährlichen 'Sommerumzüge' ihres Stadtteils. Ein Lichterfest, bei dem die Fohlen und wer immer lustig ist Lichter über die drei Hauptbrücken tragen und sie schließlich damit schmücken, ehe gefeiert wird. Doch entgegen der alljährlichen Vorbereitung, den heiteren Neckereien, in denen sich Vater und Tochter oft ergingen oder frühzeitigen, ihrer Aufregung geschuldeten Begehungen des Festgeländes war der blonde Hengst dieses Jahr bereits seit gut zwei Monaten wie ausgewechselt. Sonst ein offenherziger, sozialer Geselle, der Gesellschaft schätzte war er zurückgezogen, abweisend gar. Lange hatte Chayenne sich das Spektakel, das müde, entschuldigende, halbe Lächeln auf seinem Gesicht mit dem er sie milde fortschickte und weiter fortschickte, angesehen, bis es sich am Abend vor den Umzügen in aller kindlichen Sorge und Wut in einem Streit entlud. An diesem Abend ging Chayenne hochbeleidigt ins Bett, während Vailamir die von ihm so sorgsam errichtete Festung eines Traums verließ. Um den Kopf frei zu bekommen wohl oder weil er sie eben nicht sehen wollte - das Mädchen dachte nicht darüber nach. Entschuldigen und sich erklären könnten sie sich schließlich auch morgen und vielleicht löste sich dann endlich dieses wochenlange Rätsel. Und der Morgen kam. Bloß Vailamir kehrte nicht zurück. Erst verweigerte Chayenne sich gänzlich der Einsicht, was geschah und wartete. Dann begann sie den Haushalt selbst brüchig aufrecht zu halten und zu vertuschen, dass ihr Vater verschwunden war - schließlich käme er sicher zurück! Und dann wäre er stolz auf sie, auf sein großes Mädchen, dass sie ihn so gut vertreten hatte. Dann begann sie über seinen Verbleib zu lügen. Mit ihrem damals doch dürftigen Geschick an seinen offenen Aufträgen herum zu arbeiten, um am Pecya zu kommen und ungeduldige Kunden bei Laune zu halten. Doch er kam nicht wieder. Es dauerte gut ein halbes Jahr, bis eine befreundete Familie ihre geheim gehegten Vermutungen gewaltsam bestätigte und in Absprache mit der dhaarmischen Verwandtschaft in ihre Obhut nahm. Bis heute ist Chayenne ihnen allerdings wenig dankbar, der Schock von damals nie verarbeitet und der Groll gegen sie, sie aus ihrem Heim gezungen zu haben, nie verwunden. Einzig dafür, dass sie die Pacht weiter zahlten und Chayenne so ermöglichten nicht nur jederzeit Zuflucht in ihrer Kinderstube zu suchen, sondern auch ihr Erbe nach Erreichen ihrer Volljährigkeit anzutreten, zollt sie Shayla und Duman stummen Respekt.
Buntes Nichts
Aus den Erinnerungen an lautstarke, noch Jahre andauernde, sture Beteuerungen er käme doch noch zurück erwuchs irgendwann Erkenntnis - und mit ihr eine stumpfe Sicherheit, dass, egal wie sicher, wie hübsch, wie farbenfroh etwas wirkt, es nicht für immer ist. Und aus der Erfahrung zu verlieren, wenn ihre Fassade nicht makellos sitzt, erwuchs eine unbewusste Entscheidung. Bereits in ihrer Jugend begann Chayenne die Werkstatt ihres Vaters zu nutzen und zu üben, sich Ratschläge und Anleitung von allen Seiten zu holen, um ihre Fertigkeiten zu verbessern, baute Kontakte in alle Himmelsrichtungen und alle Altersklassen auf, denn man wusste nie wofür man es einmal brauchte und eine gute Übung war es obendrein. Tiefe Verbindundungen mied sie, denn wozu? Und so manches Mal stieß sie Leuten damit genug vor den Kopf, dass Freundschaften brachen - doch ohne sich wirklich zu kümmern, war das nie sonderlich tragisch. Sie lernte, laut zu sein, um nicht von der Stille erdrückt zu werden; lernte in der Menge zu schwimmen, immer mit der Option spontan die Richtung zu ändern, wenn ein Gesprächsthema zu tief griff. Sie arbeitete an einem äußerst bunten, hübsch anzusehenden, fesselnden Leben, das andere hineinzog und ging, ehe sie merken konnten, dass es bloß buntes Nichts war. Je älter die wurde, desto ausschweifender wurden sie Feiern, je mehr Zeit verging, desto länger dehnte sie die Nächte und desto früher stand sie auf um zu arbeiten. Und vielleicht hätte die emsige Glaserstochter so weiter gemacht, wäre es nicht um einen Unfall, ungeahnten, stummen Beistand als sie zum Stillstand gezwungen war und den Fakt gewesen, dass ihre Ziehschwester Aenna fast zeitgleich die Reißleine zog.
Etwas das bleibt
In den letzten Jahren hat Chayenne viel umgedacht. Zwar ist es schwierig derartig verinnerlichte Verhaltensweisen zu ändern und noch verwirrender zu sehen, in welche Richtung sie sich orientieren muss, um etwas anders, etwas besser zu machen, doch die letzten Jahre haben einiges geändert. Es gibt wieder Ragaskón in ihrem Leben, die ihr etwas bedeuten - wenn es auch nicht ihre Intention war, dass es so ist kann sie nicht bestreiten - und an diesen Beziehungen zu arbeiten ist ihr selbsterklärtes Ziel. Seien es Freunde, ihr nach langer Abwesenheit wieder aufgetauchter Cousin oder gar die erneute Kontaktaufnahme zu dessen Eltern, die zu sehen sie lange nicht über sich bringen konnte. Oftmals resultieren ihre Versuche in kruden, unbeholfenen Dynamiken in denen kaum gesagt wird, was gesagt werden muss, doch... Etwas bewegt sich und noch ist es beängstigend und wird viel zu oft von dem ein wenig zu laut lachenden Gewohnheitstier nieder getrampelt - aber etwas bewegt sich. Wohin auch immer - hoffentlich in Richtung von etwas, das tatsächlich bleibt.
Wissenswertes
- Chayenne hat kein Problem damit Geschenke anzunehmen und sich auch nicht im Geringsten dazu verpflichtet zu fühlen, etwas im Austausch für die andere Person zu tun, wenn sie nicht darum gebeten hat. Durch diese Eigenschaft ist sie schon so manches mal angeeckt, aber sie lebt auch sehr komfortabel mit Hilfe der Nettigkeit älterer Nachbar, die 'dem armen Waisenkind' etwas Gutes tun wollen - egal, wie alt sie bereits ist. Ihre Reue hält sich vielleicht auch gerade aus diesem Grund sehr in Grenzen.
- Sie hegt eine innige Liebe für Met, Kirschkuchen und Eierspeisen. Mit gutem Omelett oder Gebäck ist sie gegebenenfalls bestechlich. Ein bisschen zumindest.
- Selten unternimmt sie Reisen in Richtung Pass, Naunas oder Goldcrest zur Inspiration und zum Verkauf ihrer Lampen. Sie ist allerdings sehr heimat- und vor allem fraktionsverbunden. Wenn sie reist, bekommt sie sehr schnell böses Heimweh.
- Ist einem sein Leben lieb, lässt man Chayenne unter garkeinen Umständen in die Küche =w= d
- Seit einer Stippvisite im Syhlmae-Wald und dem daraus resultierenden Nahtoderlebnis, hat Chayenne panische Angst vor Parvulus. Die Art, die einen Flucht auf Tischen suchen lässt um die Flauschkugel mit dem Schemel zu bewerfen oder andere in eine fiktive "Schusslinie" zu schubbsen. Die hysterische, zittrige, "Ich höre mein Herz bis in die Ohren klopfen"-Art.
Beziehungen
Jemand, der nur Unsinn im Kopf hatte und vermutlich immernoch hat. Und jemand, den sie eigentlich sehr gern hatte, waren die Besuche der Verwandtschaft doch eine stets willkommene Abwechslung und gerade Kahir, als sie denn alt genug war nicht mehr nur hilflos hinter dem aktiven Fohlen her zu wackeln, ein Abenteuer. Seine heitere, leichte Art wusste sie immer zu schätzen. Seinen Hang für Spitznamen aus dem Gemüsebeet weniger. Erst die Jahre der Abwesenheit und des initial eher ungeplanten Wiedersehens jedoch haben aus geteilten Fohlenerinnerungen die Chance und den Willen werden lassen, zu lernen sich zu verstehen und zu reden. Einander zu ähnlich in Belangen der Offenheit und der Kommunikation arten die meisten aufrichtigen Unterhaltungen der beiden jedoch meist in äußerst hässlichem Streit aus. Was jedes Mal bleibt ist das Wissen um die Zuneigung zueinander, so ungeschickt sie ausgedrückt sein mag, und der mittlerweile etablierten Sicherheit, dass es einen nächsten Versuch geben wird. Kahir ist ihre Familie - er ist ihre halbe Welt.
Schon von Fohlenbeinen an miteinander eng befreundet war die zurückhaltende, artige Tochter ihrer neuen Zieheltern, einem befreundeten Ehepaar, die einzige, die nach dem Verschwinden von Chayennes Vater Zugang zu dem sturen Fohlen bekam, das Chayenne seinerzeit war. Streitlustig, aufmüpfig und willensstark tat Chayenne alles um ihre Freiheiten durchzusetzen, ihren Platz in der Welt zu verteidigen als hinge ihr Leben davon ab und trieb damit ohne böse Absicht und dennoch zielsicher einen Keil in die Familienidylle ihrer Ziehfamilie. Und obwohl auch Aenna ihr, in Ersatz für ihre Eltern, der Glaserstochter häufig mit Parolen, Sicherheitshinweisen und Mahnungen in den Ohren lag - die sanfte Art der Stute und die alte Freundschaft war etwas, das Chayenne lange in Maßen unter Kontrolle halten konnte. Bis heute bereut Chayenne Aenna nie gedankt zu haben, was sie für sie in Kauf genommen hat - denn die sanfte Wärme und die Güte mit der sie ihr auch ohne Entschuldigung jedes Mal wieder wie selbstverständlich verzieh, ist ihr durchaus aufgefallen. Mehr noch, sie hat ihr eine Menge bedeutet. Doch Aenna tat, was immer passiert - und Chayenne hält es nicht gegen sie, wundert sich vielmehr, dass es so lange bis zu diesem Punkt dauerte - sie zog die Reißleine und brach den Kontakt ab. Ihr nicht gesagt haben zu können, wie dankbar sie ihr ist und wie Leid ihr so manches tut, bereut die sonst eher laute Y'rragin tief und aufrichtig - und in Stille.
Derjenige, der wohl am nähesten an einen besten Freund im Leben der eher bindungsscheuen Y'rragin heran kommt. Viele Jahre hatten die beiden eine unausgesprochene Vereinbarung miteinander nie zu tief zu schürfen, nie zu viel zu erzählen, nie zu weit zu fragen und damit einher ging eine Art leichter Sicherheit, eine Unbeschwertheit die ihre Beziehung zueinander charakterisierte. Chayenne glaubt, dass sie sich in dieser Hinsicht ähnlich sind macht es leicht miteinander umzugehen und diese Art stummes Verständnis für Grenzen ist es auch, was ihn so unersetzlich für sie macht und sie dazu treibt eine Menge in Bewegung zu setzen, um dieses Band zu bewahren - obwohl und vielleicht auch gerade weil der einst so muntere Mischlingshengst jedes Jahr ein wenig mehr in sich und seinen Reisen in Richtung Goldcrest zu verschwinden scheint.
Der sonnige Barde war eine Zufallsbekanntschaft auf einer Reise mit Kahir. Ein Unglück und eine notfallmäßig in einem winzigen Dorf im Nirgendwo verbrachte Woche, sowie die Notwendigkeit in einer Ausnahmesituation fern ihrer Sicherheiten miteinander auszukommen, führten ihr allerdings bald eindrucksvoll und gänzlich gegen ihren Willen vor Augen, wie aufmerksam und gleichsam faszinierend unbeschwert der Barde wirklich ist. Dass er neben diverser Reisen ihre Heimatstadt sein Zuhause nennt dabei ein glücklicher Zufall, der für Wiedersehen nach der Wintermondkatastrophe gesorgt hat. Er ist der wohl irritierendste Zeitgenosse, der Chayenne bislang begegnet ist: Schlagfertig genug, dass eine Konversation nie langweilig wird, aber gutmütig genug, sich nicht an Siegen oder Niederlagen festzubeißen; durchaus leicht peinlich berührt, aber nie tatsächlich böse oder lange eingeschnappt, wenn man ihn aufzieht; ein fantastischer Tänzer und talentierter Musiker, aber irritierend Bescheiden und entgegen seiner Profession nicht fixiert auf alleiniges Rampenlicht. Direkt, ehrlich, loyal nach Maßstäben, die keinen Sinn für sie ergeben... Und egal, womit man ihn beschwert, es scheint, als treffe er nie den Boden. Er ist wie eine Himmelslaterne, irgendwie immer aufwärts treibend; zu faszinierend sich fern zu halten, aber Feuer zu gefährlich näher zu kommen.
Der bunt gewandete Halbrivka stolperte nach dem Weggang ihrer alten Aushilfe zufällig über ihr Gesuch nach Ersatz - und wurde bei passender Größe auch postwendend angestellt. Chayenne vertraut ihm die Verwaltung des Ladens an, wenn sie nicht da ist oder um schneller Lampen fertigen zu können; ist sie da verrichtet er vor allem Sortierarbeiten, die ihn im Stillen - im Hinterzimmer - seiner Kaffeelust fröhnen lassen bis er ansprechbar ist.
Sie weiß die Zurückhaltung und das milde Verständnis ihres Angestellten, das ihn keine unnötigen Fragen stellen lässt, sehr zu schätzen - sogar den Kaffee den er ihr an schwierigen Tagen wortlos aufzudrängen versucht. Auch, wenn Kaffee wirklich nicht ihr Lieblingsgetränk wird...
Das kleine Mädchen war eine Zufallsbekanntschaft aber über ein Gespräch über Lampen, die eigentlich Sterne sind, einen Besuch im Zirkus und einer unprofessionellen, schockierend einfachen Entführung haben die beide sich kennen gelernt. Chayenne sieht eine gewisse Ähnlichkeit in ihnen beiden und allein schon aus dem Wunsch heraus, dass das Fohlen nicht endet wie sie, wo sie doch noch Chancen hat es anders zu machen, beschäftigt sie sich mit der Kleinen. Außerdem sind Kinder ein bisschen wie Tiere... Gut und ehrlich.
Der kleine Tan war lange nur ein reger Stammkunde ihres Ladens, bis Chayenne melodramatisch Kunden in ihrem Laden mit Lampen bewarf und zusammenbrach. Attis war derjenige, der sie Daheim aufgesucht hat und trotz bitterböser Worte immer wieder gekommen ist. Die Dankbarkeit, die sie ihm gegenüber fühlt und das Wissen darum, wie verlässlich er ist, dass er keine Tür ist die sich beim nächsten Fehler schließt und nie wieder öffnet, macht ihn zu mehr als einem Kunden. Sie mag die ruhige Art des jungen Priesters, auch wenn sie sie ob seines Alters ein wenig traurig macht. Und Nod liebt ihn abgöttisch (ihn und seine Kekse...) was ihn zum offiziellen Nod-Sitter befördert!